Raus aus deiner Depression

  • 6. September 2016 /

Jede Depression ist anders. Denn jeder Mensch ist anders.
Dennoch gibt es Dinge, die bei vielen Menschen schon geholfen haben und vielleicht auch dir weiterhelfen können.
Du bekommst hier einige der besten Tipps um raus zu kommen aus deiner Depression. Lass dich inspirieren!

 

Lass los!

Hör auf, zu glauben, du könntest jetzt gerade alles mögliche gleichzeitig machen. Wenn dir Arbeit, Beziehung, Freundschaften, Sport machen, Gesund ernähren zu viel ist, dann ist es auch gerade zu viel.

Das heißt nicht, dass du Grundsätzlich nicht deine Ziele erreichen kannst, eine tolle Partnerin bist oder gute Mutter / guten Vater bist. Sondern gerade hast du einfach wenig Energie. Gerade ist dir alles zu viel. Gerade willst du dich eher zurückziehen, als zur nächsten Party zu gehen.

Und das ist okay. Hör auf dir so einen Druck zu machen.

Du bist gerade Krank.

Kannst du dich an das letzte Mal erinnern, wo du so richtig Influenca hattest? Schnupfen, Halsschmerzen, und die Nase läuft so richtig? Wenn du die Krankheit nicht verschleppt hast und dich richtig um dich gekümmert hast, dann hast du im Bett gelegen und geschlafen. Die Nase geputzt, wenn sie zu sehr lief. Tee dir gemacht. Vielleicht viel Vitamin C zu dir genommen. Wenig gemacht, ausser wieder Gesund zu werden.

Das ist für dich Natürlich. Wenn du wirklich Krank bist, dann sorgst du für dich und machst alles um wieder gesund zu werden. Und dann hast du auch gerade keine große Lust auf eine Party in dem Zustand, keine Lust auf Sex, in die Natur gehen, zur Arbeit zu gehen. Denn du willst wieder gesund werden.

Depression ist eine Krankheit der Psyche. Dort ist es für uns leider nicht so selbstverständlich, uns darum zu kümmern, dass wir wieder gesund werden. Denn oftmals sehen es dir die anderen Menschen nicht sofort an.

Für dich ist eine Depression eine Möglichkeit, zu üben, auf dich zu hören und das zu tun, um dich besser zu fühlen, um wieder rauszukommen aus deinem Lock.

Und der erste Schritt in Richtung Heilung ist es, anzuerkennen, dass Depression ein Krankheit ist. Und genauso heilbar ist wie Influenca oder andere Krankheiten.

5 Tipps für die ersten Schritte aus der Krankheit Depression

Mache nur so viel, wie du gerade im Stande bist zu leisten. Dein Akku an wieviel Lebensenergie du gerade hast ist sehr begrenzt. Alles fällt dir schwerer. Auch einfach Dinge, die eigentlich kein Problem darstellen, sind gerade ein echtes Problem. Und fallen dir schwer.

Betrachte deine Lebensenergie wie eine Art Akku. Ein Akku was gerade täglich nicht voll aufgeladen ist und schon nach kurzer Zeit alle ist. Und frage dich, was du mit dieser wenigen Energie am Besten am Tag machen kannst.

 

Finde Möglichkeiten dein Lebensenergie-Akku aufzuladen

Gerade weil dein Akku an Lebensenergie so niedrig ist, geht es darum, dafür zu sorgen, möglichst Energiequellen zu finden, die dein Akku etwas aufladen. Dass du zumindest etwas mehr Kraft hast.

Vielleicht bringt es dir etwas in der Natur spazieren zu gehen? Oder dir die Zeit zu nehmen einen Tee zu kochen und ganz in Ruhe zu trinken? Vielleicht ist auch ein Wellnesstag mal wieder angesagt? Oder auch einfach nur sehr lange duschen. Dich zu pflegen und schön zu machen?
Was auch immer es ist, was dir gut tut und dir etwas mehr Energie gibt. Mache es!

Kurios: Wenn du anfängst das Negative zu akzeptieren kann wieder positive Gefühle entstehen. Wenn du die 10.000 pessimistischen Gedanken, die innere Unzufriedenheit, die gefühlte Schwere, die gefühlte Unfähigkeit gerade zu leisten akzeptierst, dann kann sich das Umwandeln.

Erkenne an, dass du gerade einfach nicht glücklich bist und so fröhlich bist wie vermeintlich die Anderen sind.

Erkenne an, dass dein Körper gerade einfach weniger funktioniert, du weniger Kraft hast als normal.

Höre auf dich zu verurteilen

Wichtig bei dem ganzen Prozess um Raus aus einer Depression zu kommen ist es, dich nicht zu verurteilen. Es ist okay! Es ist okay, dass du gerade nicht so viel machen kannst wie normalerweise. Dass du gerade negative Gedanken hast. Dass du gerade nicht so viel Lust hast rauszugehen.

Du bist okay!
Dies ist eine innere Haltung, wozu nur du selber dich entscheiden kannst.

Mit dem inneren Kritiker liebevoll umgehen

Ich kann mich noch dran erinnern, vor noch gar nicht langer Zeit, wie sehr ich mich verurteilt habe. Für eigentlich alles. Du hättest effektiver arbeiten können! Du könntest mehr Freunde haben! Mehr Spaß auf der Party! Mehr Frauen in deinem Leben! Egal was ich tat, es war nicht genug. Immer gab es eine innere Stimme, die besser wusste, dass das Leben noch geiler sein muss. Und ganz ehrlich. Die Stimme ist immer noch da. Sie ist nicht weg. Und wahrscheinlich wird sie mein ganzes Leben immer mal wieder ihre Meinung sagen wollen. Aber ich habe angefangen liebevoll mit ihr umzugehen. Die Dinge nicht so ernst zu nehmen. Meinen inneren Kritiker nicht alles mehr zu glauben. Und ihn zu wertschätzen.

Das Resultat ist heutzutage, dass ich in exakt den gleichen Situationen wie damals immer mal wieder bin, ich es aber nicht als Problem mehr sehe. Es gibt zur Zeit nicht mehr eine Stimme die Dinge, die ich tue, hinterfragt und meint ich müsste doch dies und jenes machen.

Letzten Sonntag saß ich zum Beispiel überwiegend in meinem Zimmer auf meinem Bett und habe gegammelt. Ich war den Samstag davor viel draußen gewesen. Viel gewandert mit einem Freund und dann noch Abends im Freiluftkino mit Freunden. Und an diesem Sonntag war ich echt platt. Ich hatte keine Lust mich zu bewegen. Etwas zu machen. Ich wollte einfach nur gammeln. Nichts machen.
Früher hat eine Stimme in mir gesagt: „Das kannst du doch nicht machen. Du musst dich doch mit Leuten treffen. Oder zumindest an deinen Projekten weiterarbeiten. Wenn du hier zuhause bleibst wirst du einsam. Du wirst nie wieder Freunde habe. Es ist doch Sonntag. Da kannst du doch nicht einfach nichts machen!“ Und heutzutage…. Nichts. Ich habe Lust zu gammeln. Also Gammel ich. Das ist gerade das, was mein Körper und Gefühl sagt. Und es fühlt sich toll an.

Diesen Prozess mit dem inneren Kritiker liebevoll umzugehen, ist ein Prozess, den nur du mit dir und deinem inneren Kritiker machen kannst. Kein Buch, Kein Blogartikel, kein Guru, kein Psychologe kann diese Aufgabe dir abnehmen dich mit deinem inneren Kritiker zu verstehen.

An schöne Sachen erinnern Übung

Erinnere dich an Situationen bevor du in deine Depression gefallen bist, die dir vorher gut getan hat.

Mach es dir wirklich klar bewusst. Schließe die Augen und stelle dir diese Situation vor. Was genau hast du getan? Wie hat es sich angefühlt? Was für ein Lebensgefühl war das? Wie hat es gerochen? Die Umgebung angehört?

Beispiel…

Akzeptiere, dass du Rückschläge haben wirst

Kein Mensch ist jemals von heute auf morgen komplett Depressionsfrei geworden. Es ist ein Prozess. Mache dir dieses Bewusst. Und zu einem Prozess gehört es auch dazu, dass es nicht immer so schnell und gut läuft wie du es dir eigentlich wünscht. Stelle dich darauf ein, dass es immer wieder Rückschläge geben wird. Dass du in deine alten Muster verfällst, mal wieder doch die Schokolade nascht, obwohl du es doch eigentlich nicht mehr wolltest. Es mal nicht zum Sport packen weil du gerade keinen Antrieb hast dich rauszubewegen. Dabei wolltest du doch eigentlich jeden Tag zumindest etwas Sport machen. Oder du sehr spontan nicht zu einer Verabredung gehst weil es einfach nicht geht in diesem Moment.

Das alles ist okay. Keiner erwartet von dir, dass du von 0 auf 100% springst. Und wieder da bist, wo du früher mal vielleicht warst. Akzeptiere für dich, dass diese Rückschläge immer und immer wieder auch passieren. Das heißt nicht, dass es kein Fortschritt gibt und dass du dich nicht entwickelst. Und erst recht nicht, dass du nichts kannst oder wert bist. Es bedeutet lediglich, dass du in diesem Moment es gerade nicht packst. Und das ist okay.

Erinnere dich dran, dass du sanft mit deinem inneren Kritiker umgehst.

Fange an dich selber zu lieben

Was ist denn überhaupt Selbstliebe?

Viele Fragen mich das. Und es gibt darauf kein Pauschalantwort. Jeder hat seine eigene Definition von Selbstliebe. Für mich heißt es, dass ich mich um mich selber kümmere und schaue was ich in diesem Moment gerade eigentlich brauche.

Wie liebe ich mich selber?

Fange an dich anzuschauen und zu fragen, was DU brauchst! Oftmals erleben wir es, dass wir Dinge für die Arbeit tun, für die Kinder, Partner, Freunde tun und dabei auch noch drauf achten, dass die gesetzlichen Normen eingehalten werden.

Dabei vergessen wir sehr schnell, was wir eigentlich gerade wollen in diesem Moment und generell.

Für einige mag es sehr Egoistisch wirken, wenn ich sage: „Schaue auf dich! Was willst du?“.

Es geht hier um einen gesunden Egoismus. Dass du Dinge tust, die dir gut tun! Dass du auch auf dich hörst und nicht nur einfach „funktionierst“.

Für einige ist es sogar schwer überhaupt zu spüren, was man gerade braucht.

Eine kleine Selbstliebe-Übung

Lass mal dein Handy aus, hör auf im Internet zu konsumieren und lass die Dinge los die du noch so alles machen musst.

Schließe deine Augen.

Fühle in dich hinein. Nimm wahr, wo du gerade bist, wo du gerade sitzt oder stehst und probiere dein Herz wahrzunehmen. Spüre in dich hinein. Spüre dein Körper. Deine Sinne. Und höre dir selber zu. Was kommt dort. Was ist der Impuls, der eigentlich gerade kommt. Was du eigentlich gerade machen willst.

Und sei es, dass du gerade merkst, dass du durstig bist. Oder dass du auf Toilette willst. Auch das gehört dazu. Du nimmst wahr, was in diesem Moment gerade angesagt ist.

Vielleicht ist es gerade frische Luft. Oder Bewegung. Oder Natur. Oder vielleicht würdest du gerne gerade kuscheln. Oder kreativ sein. Was auch immer es ist. Nimm es wahr.

Wenn du jetzt auch noch die Möglichkeit hast, das in diesem Moment umzusetzen, dann mache dies. Und du tust dir selber etwas gutes.

Selbstliebe fängt damit an, dass du in diesem Moment schaust, was du brauchst.
Es geht immer und immer wieder darum dir etwas gutes zu tun.

Wichtig dabei ist, dass du dir bewusst die Zeit dafür nimmst. Und wenn es nur für eine Minute ist zwischen 2 scheinbar wichtigen Dingen.

Sei ehrlich zu dir selber

Wenn du in dich hinein fühlst, sei ehrlich zu dir selber! Was ist da wirklich gerade los? Höre auf dir etwas einzureden. Du kannst erst etwas ändern, wenn du es klar beim Namen nennst. Erst wenn eine Sache für dich handfest ist und du es dir ehrlich eingestehen kannst, kannst du damit etwas machen.

Sage nein zu Aufgaben, Veranstaltungen und Menschen!

Selbstliebe bedeutet auch zu schauen welche Dinge dir wirklich gut tun. Gibt es Aufgaben in deinem Alltag oder auf der Arbeit die du machst, obwohl du überhaupt keinen Lust drauf hast. Zumindest so, wie es gerade ist?

Gibt es irgendwelche Parties, Veranstaltungen oder Treffen wo du eher da bist, weil du musst und du dich verpflichtet fühlst, als dass du es wirklich willst? Wer sagt dir, dass du da absolut hingehen musst? Wenn du ehrlich bist zu dir selber und dich um dich selber kümmerst, dann gehst du zu so manchen Events nicht! Kannst du dir das innerlich erlauben? Auch mal nein zu sagen? Gerade dann, wenn du es nicht willst?

Gibt es Menschen in deinem Umfeld die dir eigentlich nicht gut tun? Sei ehrlich zu dir selber! Warum verbringst du Zeit mit diesen Menschen? Wenn du dich selber liebst, würdest du dann mit diesen Menschen zu tun haben? Auch hier geht es darum, was du eigentlich willst. Und dir erlauben, auch mal ernsthaft nein zu sagen zu Menschen in deinem Umfeld, die dir absolut nicht gut tun.

Mit Kritik umgehen

Kennst du auch dieses Gefühl, dass es echt weh tut, wenn dein Chef, dein Partner oder deine Eltern dich kritisieren? Oder du gar das Gefühl hast, dass die Gesellschaft dich und dein Leben kritisieren?
Also Menschen, die dir nah stehen und dir gewollt (Partner, Freunde) oder ungewollt (Chef) etwas bedeutet.

Kritik tut nur weh, wenn du es selber auch glaubst und dir wichtig ist

Dabei tut Kritik nur dann besonders weh, wenn du selber in dir das von dir selber denkst und dir wichtig ist.
Wenn dein Partner dir sagt, dass du zu dick bist, und du das selber glaubst über dich… wie reagierst du? Vielleicht wirst du wütend oder traurig. Innerlich denkst du aber, dass der ja eigentlich recht hat.

Wenn dein Partner aber sagen würde, dass dein Haar nicht schwarz genug ist, und du aber merkst, dass es dir doch egal ist ob du schwarzes Haar hast oder braunes oder Blondes. Dann denkst du wohlmöglich „Ist mir doch egal“ oder „Kann er / sie ja denken wie er / sie will“. Dann ist es dir wahrlich egal. Es tut dir nicht weh. Es trifft dich nicht. Denn du denkst nicht, dass das ein Problem ist oder dir wichtig ist.

Wer kritisiert dich

Genauso kannst du komischerweise sehr gut damit umgehen wenn dir ein Fremder auf der Straße sagt, dass du dick bist, auch wenn du es möglicherweise über dich denkst. Du würdest ihn vielleicht fertig machen wollen, wirst wütend, wehrst dich. Aber die Kritik trifft dich nicht. Du lässt sie nicht ran, weil dir die Person nicht wichtig ist.
Und dann Abends ein kleiner Kommentar von deinem Partner… und du bist am Boden zerstört.

Andererseits trifft es dich doch bei nem Fremden, wenn du die Person vielleicht attraktiv findest, mit ihr vorstellen könntest zu flirten. Wenn die Person genauso reagiert, wie ein Fremder auf der Straße, dann trifft es dich schon eher. Denn sie bedeutet dir schon mehr.

Wer „Die Gesellschaft“ ist

„Die Gesellschaft“ ist fast immer eine bestimmte Person.

Wenn du über die Gesellschaft fluchst, dich über Deutschland aufregst, dass hier alles so Unfrei ist, du nicht deins machen kannst, und dafür die Gesellschaft verantwortlich machst. Dann ist „Die Gesellschaft“ immer eine ganze bestimmte Person oder Gruppe die du meinst.

Bei mir ist es zum Beispiel meine Großeltern. Wenn ich der Meinung bin, dass „Deutschland“ so geordnet ist, so sauber ist, so bieder ist. Und ich nicht frei sein kann, weil „die Gesellschaft“ das nicht ermöglicht, sind in Wirklichkeit meine Großeltern gemeint.

Denn ich kenne die Gesellschaft nicht. Ich weiß nicht, wer alles in Deutschland lebt. Ich kenne nur den Ausschnitt von Deutschland und von der deutschen oder westlichen Gesellschaft, den ich kenne.

Und auch wenn ich Zeitung lese oder fernsehen gucke und die Journalisten Deutschland zeigen. Ist es immer ein Deutschland, eine Gesellschaft aus deren Perspektive. Das einzige was ich machen kann ist, zu wählen welche Perspektive ich sehen will.

Aber weder ich, noch die Medien können „die Gesellschaft“ wirklich beschreiben.

Ich habe irgendwann mal Soziologie studiert. Das ganze Studium basiert darauf, dass die Soziologen probieren, die Gesellschaft fassbarer zu machen. Ohne es wirklich zu können. Es gibt schlichtweg nicht „DIE Gesellschaft“.

Schau dir deswegen genauer an, was oder wen du eigentlich wirklich meinst, wenn du die Schuld an die Gesellschaft, an Deutschland weitergibst.

Über den Autor Torge

Ich bin systemischer LifeCoach und Trainer, Vorstandsvorsitzender von Lebensfreude e.V. Notorischer dutzer und meine Vision ist es dazu beizutragen, dass mehr Menschen glücklich sind. Denn Glück ist lernbar!

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