Besondere Begegnung

Heute schreibe ich einen Artikel zum Thema Besondere Begegnung. Eine Blogparade von Bianca von lebedraussen.de/.

Der Tempel​

Ich war letztes Jahr in einem Buddhistischen Tempel in Thailand. 10 Tage Vipassana Seminar. Wobei… die Thais nehmen das mit dem Vipassana nicht so genau. Es war eigentlich eher ein Meditations-retreat wo du so lange bleiben kannst wie du willst. Und du halt die Sachen machst, die der lokale buddhistische Mönchsoberhaupt sagt, die du tun sollst. Ich glaube nach 10 Tagen hatten ich Level 5 oder 6 erreicht. Und es gab unendlich viele Variationen wie du meditierst. Ob stehend, sitzend, laufend, alleine in deinem Zimmer, zusammen mit deiner Gruppe. Hauptsache du meditierst. Von morgens um 5h bis Abends um 22h. Und dazwischen 2 Mahlzeiten. Eine um 6h morgens und eine um 10h morgens. Und den Rest des Tages hungern. Glaubt mir, ich habe sehr viele Pfunde purzeln lassen.

Ich kann mich da aber noch an eine Begegnung erinnern, die besonders war. Beziehungsweise an einen Satz der mir wohl für immer in Erinnerung bleibt.

Der Mönch

Es gab in dem ganzen Tempelkomplex 2 Menschen die Englisch sprechen konnten. Das war der buddhistische Mönchsoberhaupt und sein Adjutant, der sich um die wenigen Ausländer kümmert, die sich trauen so viele Tage zu meditieren. Ich weiß nicht mehr seinen Namen. Aber seine Statur bleibt mir in Erinnerung. Dieser kleine Thai Mönch, in der braungelblicher Kutte mit dem glattrasiertem Haar und diesem Gesichtsausdruck das eine inner Ruhe ausstrahlte und gleichzeitig eine gewisse härte und Klarheit ausstrahlte. Er war nicht der nette Pädagoge, mit dem du Kaffee trinken willst. Du hattest einfach respekt vor ihm. Er hat uns Neulingen gezeigt, wie man sich hinsetzt, wie man sich bei Buddha bedankt, wie man Betet, wie man eine Laufmeditation macht. Und uns immer wieder eingetrichtert „Fokus, Fokus, Fokus“.

Eines Tages liefen wir in die gleiche Richtung und er hat mich zur Seite genommen und mir eine Erkenntnis gegeben, die ich nie vergessen werde.

Die Erkenntnis​

Er sagte übersetzt auf Deutsch: „Es geht nicht darum, jeden Tag 10 Stunden zu meditieren um ein guter Meditator (anm. seine Bezeichnung für Meditierende) zu sein. Es ist egal wie viel du meditierst. Es geht um die Momente, wenn du im Stau stehst und dich darüber ärgerst, dass du zu spät kommst. Es geht darum in diesem Moment inne zu halten und ruhe zu bewahren und zu meditieren. Erst das wird dich zu einem guten Meditator machen.“

Was er damit meinte war, dass es nicht darum geht, täglich 30 Min zu meditieren oder andere Routinen zu machen. Sondern dass du in deinen schwierigen Momenten ruhe bewahrst und in dich kehrst und dich sanft und liebevoll wertschätzt. Dann hört dein Leiden auf.

Seitdem meditiere ich zwar nach wie vor fast jeden Tag. Aber vor allen Dingen achte ich seitdem auf die Situationen wo ich mich unwohl fühle, mich ärgere, wütend bin, enttäuscht bin und schaue in mir hinein was ich in dem Moment eigentlich brauche und habe deutlich stärker als früher in diesen Situationen mir Selbstliebe gegeben.

Euer Torge​